Zukunft Büro …

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Bei innovativ.in, einem Gemeinschafts-Weblog zur Arbeitsinnovation, ist eine Publikation zum Thema „Gestalten des Büros der Zukunft“ geplant. Idee ist, die Anregungen der Leser des innovativ.in-Blogs aufzugreifen. Inzwischen sind bereits 15 Kommentare eingegangen, die meist recht interessant sind.

Am interessantesten finde ich den Kommentar Nr. 8 von „Anonymous“, indem er darauf hinweist, dass die ganzen Diskussionen bzgl. „Neuer Bürogestaltung / -organisation“ sich viel zu sehr auf die Freiberufler und kleine Unternehmen konzentriert und dabei vergessen wird, dass man nicht vergessen sollte, dass Festangestellte in Konzernen nicht gerade vom Aussterben bedroht sind. Diese „Residenten“ leben keineswegs davon, sich in Third-Places, bspw. im Stehcafé ins Netz einzuwählen und zu vernetzen, sondern sie haben einen festen Büroplatz und gehen von Tür zu Tür, um sich mit Teamkollegen zu verbinden.

Das ist so, sagen die Autoren Friebe/Lobo („Die digitale Bohème“ / S.45) und verweisen darauf, dass trotz der enormen Zuwachsraten im Bereich der Selbstständigen, von den derzeit 39 Mio. Beschäftigten in Deutschland die 35 Mio. Angestellten den 4 Mio. Selbstständigen klar in der Überzahl sind. Und man darf wohl davon ausgehen, dass die 35 Mio. nicht alle im Außendienst sind, sondern überwiegend als „fest stationiert“ gelten. Hier stellt sich also eher die Frage, wieviel Newwork-Konzepte und Mobile-Business-Technik man wirklich benötigt und auch, ob nicht doch ein Blick auf die „kostenlose“ Umgangskultur schon einen spürbaren Beitrag leistete, um die Wertschöpfung zu verbessern.

Apropos Kultur … Der Begriff Kultur scheint mir mit dem Börsencrash zur Jahrtausendwende gleich mit baden gegangen zu sein. Auf Unternehmerseite dominiert meist der Gedanke „wer nicht (mehr) fluppt, der fliegt“ und auf Seiten der Arbeitnehmer wird alles nur noch als ein „Job“ in irgendeinem „Laden“ angesehen, weil man Heute nicht mehr weis, wo man Morgen arbeitet … BenQ Mobile (alias Siemens) ist eine aktuelle Erklärung warum …

Fazit: Die „Gestaltung des Büros der Zukunft“ wird erst wieder besser, wenn verlorene Kultur dort wieder einzieht.

Was bleibt …?

Für Angestellte und Selbstständige gilt es aus meiner Sicht, in den aktuell dynamischen und unsicheren Geschäftsumfeldern in Sachen „Bürogestaltung“ die Eigeninitiative zu ergreifen und sich autark zu machen. Mit anderen Worten, der Einzelne, der sich selber angenehme Arbeitsumfelder schafft, sich vernetzt und nicht darauf wartet, bis ihm die IT großzügig irgendwann einmal ein funktionierendes Konferenzsystem vorsetzt, sondern er es sich einfach „holt“, hat die beste Bürogestaltung. Und so etwas geht …!

Den größten Teil davon kann er vermutlich mitnehmen, wenn er den Job wechseln muss, weil Vieles davon auf seinem Wissen und Kontakten basiert und nicht auf spezifischer „Hard- oder Software, Raum und Mobiliar“ des bisherigen Arbeitgebers.

Für Unternehmen, die ihre Büros für die Zukunft neu gestaltet wollen, glaube ich nicht, dass heute primär neue Innovationen gefragt sind. Vielmehr geht es doch darum, massenhaft vorhandene und gute Innovationen aufzugreifen, zu nutzen und vor allem in den Köpfen der Mitarbeiter zu verankern. Ein zentraler Punkt dabei ist, dass Lösungen so implementiert werden, dass diese stabil funktionieren und sich ergänzen. Genau an diesen Punkten hapert es meist an allen Ecken und Enden.

Für die Anbieter von Innovationen gilt aus meiner Sicht, ihren Blick auf „Convergence & Convinience“ zu richten. Um so mehr werden sie genutzt … Apple bspw. macht seit geraumer Zeit vor, wie es geht und erntet den Erfolg geradezu im Überfluss …

3 Gedanken zu „Zukunft Büro …“

  1. … und das schaffen Angestellte nicht alleine …

    Sie haben ja Recht, Herr Greisle. Dem einzelnen Mitarbeiter sind in seinen Möglichkeiten zur Veränderung Grenzen gesetzt. Nur ist es einfach sehr oft so, dass Unternehmen nichts unternehmen, wenn es um Verbesserungen in Sachen „Kommunikation im Office“ geht. Sie kennen Ihre eigene eWork II Studie doch … Das fängt bei den Räumen an und endet aktuell bei WEB 2.0 Anwendungen …

    Ich weis von Fällen, bei denen erst „erneuert“ wurde, als der Vorstand mit seinen Freunden von den Rotariern durch die Räume gehen wollte. Und solche Geschichten kennen wir doch alle, nicht?

    Und an diesem Punkt appelliere ich an die Employees: „Hilf Dir selbst, sonst hilft Dir keiner!“

    (Ich habe ein Unternehmen verlassen, als mir sinnvolle technische Ausrüstung verwehrt wurde. In einem andern Fall habe ich mir 1993 für 14.000 DM eigene mobile Technik gekauft, weil mir die des Unternehmens nichts nutzte. Hat sich durchaus bezahlt gemacht!).

    Selbstverständlich, es ist gut und richtig wenn die Unternehmen Innovationen voran treiben, aber in den (vielen) Fällen, wo es nicht der Fall ist, ist kein (!!!) Angestellter dazu verurteilt dieses einfach hin zu nehmen! Außerdem: Nur weil ich einen Arbeitsvertrag habe, ist mein Arbeitgeber nicht für alles zuständig …

    Aber an diesem Punkt sind wir bei der „Denke“ und die ist, wie Sie bereits festgestellt haben, zwischen uns nicht so weit auseinander (wenn überhaupt ,-).

  2. Interessante Gedanken. Ist es so, dass alleine ein Neueinzug der Werte eine Optimierung bringen wird? Sicher.

    Wie gut kann das in Ein-Personen-Zellen funktionierten? Nicht so, denn das Verhalten ist erfahrungsgemäß entsprechend. Wie gut wird die gewünschte team-übergreifende Zusammenarbeit in 1- oder 2-Personen-Zellen und Sozialräumen (alleine der Begriff…) zum Davonlaufen funktionieren?

    Zum einen in dem man die Veränderung in den Köpfen hin bekommt, zum anderen in dem man die Werkzeuge bereit stellt. Ein Büro ist nichts anderes als so ein Werkzeug (Architekten mögen mir wieder einmal verzeihen). Allerdings ein zentrales Werkzeug. Das Umfeld hat eine starke Wirkung auf die Ergebnisse. Der Vorteil der Selbständigen/Freiberufler ist, dass sie sich diese Umgebung selbst schaffen können. Das genießen wir alle sehr. Mitarbeiter in Unternehmen können das nur sehr selten.

    Und warum sollen eigentlich die Büroarbeiter in den grossen Firmen nicht von vernünftigen Arbeitsumgebungen profitieren können? Fünf Punkte warum es dabei um Organisationsgestaltung und nicht um das reine habe ich hier aufgeschrieben (hoffe, der Link ist OK, sonst bitte einfach löschen). Und das schaffen die Angestellen leider nicht alleine.

    Gerade heute hatte ich wieder eine Diskussion mit einem Konzernarbeiter, der an seinem Platz im Gruppenbüro sitzt und täglich neu feststellt, dass dieser Platz nicht für jede Aufgabe gleich gut geeignet ist.

    Oft höre ich dann in Projekten Sätze wie „Dann probieren wir das jetzt mal und in einem Jahr ist es dann eh wieder wie vorher.“. Erfahrungsgemäß ist es das nicht. Denn in solchen Projekten, wenn man sie mit dem richtigen Fokus angeht, geht es auch um eine Verhaltensänderung.

    Dass niemand von Neuerungen und der dadurch entstehenden Unruhe begeistert ist, das wissen wir. Schafft man es, dass sich die Menschen auf diese Umstellung trotzdem einlassen, je nach Kultur in unterschiedlichem Umfang, dann kann entsteht Bewegung. Dann holen sich die Angestellten tatsächlich ein Stück weit ihre Arbeitsumgebung.

    Zu viel darf man sich davon allerdings nicht erwarten, denn a) die wenigsten Firmen verfügen über eine dermaßen offene Kultur, b) gehört viel Fingerspitzengefühl dazu, solche sehr offenen Projekte zum Ziel zu führen und c) woher sollen die Mitarbeiter das notwendige Know-How haben?

    Nicht falsch verstehen, bitte. Die Einbindung der Mitarbeiter ist ein zentraler Erfolgsfaktor.

    Was mir (ich habe das Buch von Friebe/Lobo noch nicht gelesen und kann daher nichts zu deren Inhalten darüber sagen) in solchen Diskussionen häufig fehlt ist der Aspekt des Zusammenspiels der beiden Welten. Die hoch flexiblen Selbständigen und die Konzernarbeiter (bewußt verkürzt formuliert) werden viel miteinander zu tun haben. Aus meiner Sicht sind dabei verschiedene Fragen noch nicht zu Ende diskutiert. Unter anderem das „wo“, sprich der Ort, an dem die Zusammenarbeit statt findet. Das kann virtuell oder persönlich vor Ort sein. Beides hoch relevant und nicht nur (ausstattungs-)technisch zu betrachten, sondern vor allem auch methodisch und organisatorisch. Täusche ich mich, oder sind da noch sehr wenig Schritte gemacht worden?

    Auch das „wie“ der Zusammenarbeit zweier Gedankenwelten ist sehr spannend. Damit meine ich nicht die Ausstattung sondern „die Denke“.

    Wir sind nicht so weit auseinander, denke ich.

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