Videotelefonie für Taubstumme

Eine Gruppe von Menschen, welche Videotelefonie und -konferenzen nutzen können, um barrierefrei zu kommunizieren sind taubstumme und schwerhörige Menschen. Gerade mobile Geräte auf Basis Smartphones und Tablets haben hier ein starkes Nutzenpotential, da man räumlich und geografisch flexibel ist. In den USA gibt es bereits seit längerem einen Videotelefonie-Provider, der sich genau auf diese Zielgruppe fixiert hat und ganz hervorragende Lösungen anbietet. Mit integriert ist auch ein 24/7 Gebärdensprache- und Übersetzungsservice für 45 Länder.

Der Dienst funktioniert auch via Soft-Phone auf PC/Mac, sowie auch über diverse Android und Apple Mobiles (inkl. Einbindung von Facetime bei vorhandenem WiFi). Auf der Backend- / Server-Ebene scheinen Produkte von Miral zu liegen, um die Kommunikation mir regulären Konferenzen auf Basis SIP/H.323 zu ermöglichen.


CSD (Communication Service for the Deaf, Inc.) ist ein amerikanischer Verein, der es sich zum Ziel gesetzt hat, für Schwerhörigen und Taubstummen in einer möglichst barrierefreien Kommunikation zu unterstützen, bspw. durch Zeichensprache-Übersetzungen. Zusammen mit einem Übersetzungsbüro wurden um 1999 erste Erfahrungen mit Video-Relay-Services (VRS) gesammelt. 2006 wurde die CDSVRS, LLC (The Z™) als gewinnorientierter Spin Off ausgelagert, der als Provider eigener Videtelefondienste (ZVRS) auf dem amerkanischen Markt operiert. Unter der Unternehmensmarke „The Z™“ werden nicht nur Netzwerkdienste angeboten (ZVRS), sondern auch Desktop Videotelefon-Hardware. Ein Kundenschwerpunkt von „The Z™“ liegt im Bereich städtischer und öffentlicher Verwaltungen. „The Z™“ sieht sich selbst als führend in der Qualität und in der einfachen Bedienung von Videotelefonie / -konferenz-Lösungen.

Miral hat als Anbieter von regulären Videokonferenz-Lösungen einen stark innovativen Fokus auf Mobiles. So bietet Miral inzwischen quasi zeitgleich zum Markteintritt des iPad 2 eine Mehrfinger-Bedienung zur Steuerung mobiler Videotelefonie auf dem Gerät an. Wird im Video sehr schön von einem taubstummen Apple-Mitarbeiter (Entwickler) eindrucksvoll demonstriert …

In den USA finden sich zahlreiche weitere alternative Dienste zu „The Z™““, bspw. CONVO, der in 2009 gegründet wurde … Bei allen Diensten erhält man eine spezielle Telefonnummer, über welche bei einem Anruf automatisch ein Übersetzter/Vermittler eingebunden wird und die mit der eigenen Telefonnummer und dem eigenen Telefonvertrag gekoppelt ist.

Und wie ist der Status hierzulande?

Europaweit finden sich vergleichbare Dienste in Finnland, Frankreich, Italien, Spanien und Deutschland, welche aber technologisch zumindest in Deutschland fast steinzeitlich den Amerikanern hinterher hinken. Die beiden deutschen Anbieter finden sich in Rendsburg unter gleicher Adresse und unter dem Dach der Deutschen Gesellschaft der Hörgeschädigten. Telesign kann ausschließlich via Bildschirmtelefon und ISDN kommunizieren. Der 2009 gestartete Dienst Tess, setzt gleichfalls ISDN und Bildschirmtelefon voraus (nur die inzwischen allein via eBay zu ersteigernden TV-100!). Alternativ wird aber auch die VoIP-Kommunikation via Windows-PC inkl. speziellen Client, sowie die Kommunikation via SIP-Telefone und auch via UMTS-Handy angeboten, was aber bei weitem nicht mit den ausgereiften Lösungen via Apple / Android vergleichbar und nebenbei ausgesprochen teuer ist. Am Interessantesten ist also noch die Option SIP für Softphones und Mobiles. In Sachen Plattformen, Mobilität und Usabilität gibt es also hierzulande noch einiges zu verbessern … Man vergleiche das mal nur mit dem nachfolgenden Video … Es dauert allerdings etwas, bis die Sportler Hunger bekommen.

Die Kosten liegen bei den beiden deutschen Anbietern bei 220 € Grundgebühr je Monat (!), zzgl. 1 € je Übersetzungsminute, zzgl. 19 % MwSt., was nicht gerade günstig ist. Tess bietet inzwischen allerdings einen Tarif für reine Privatgespräche an, welcher deutlich günstiger ist.

Nachtrag: In Friedrichshafen läuft ein Test mit öffentlich zugänglichen Geräten für gehörlose Menschen …

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