Archiv für Oktober 2006

Sensorische Entzugskammern Teil II.

“Wie schön, dass ich vor 15 Jahren die Welt der großen Unternehmen verlassen habe, um flexibel und frei in für mich authentischen Umfeldern (s.o.) zu arbeiten, in denen ich kreativ kommunizieren kann. Auch wenn nicht an allen Stellen die Möbel so “chic” sind wie in der Zeitschrift Mensch&Büro und auf der Orgatec gezeigt.”

Warum dieses Statement?

Im innovation-in Blog mahnte Anonymus zum “Büro der Zukunft” an, dass die Diskussion doch wohl auch um Lösungen für große Unternehmen gehen sollte, anstatt immer wieder das Thema SOHO, etc. hervorzuheben. Seine Worte haben mich motiviert einmal in die aktuelle Mensch&Büro zu schauen, die ja im hohen Maße die “größeren” Unternehmen im Fokus hat und in ihrer aktuellen Ausgabe 11.2006 auch auf die Innovationen der Orgatec eingeht.

Zunächst stelle ich fest, dass auch hier betont in Kommunikations-Räumen gedacht wird, für die es zudem keine Norm-Lösungen gibt. Ich zitiere aus dem Artikel “Ohne Dialog kein Erfolg” (Seite 19):

“Die verschiedenen Bürokonzepte, ob Einzelbüro, Mehrpersonenbüro, Gruppen-, Kombi-, Großraum oder Desk Sharing gehen einher mit jeweils unterschiedlichen Möglichkeiten von Kommunikationswegen. Hierbei gibt es keinen “one best way”, der einen optimalen Kommunikationsfluss garantiert. Das variiert von Unternehmen zu Unternehmen, ist situations- und kontextgebunden. Wichtig ist jedoch, dass die Büro- und Arbeitsplatzplanung als ein Mittel verstanden wird, das in engem Zusammenhang mit dem Austausch an Informationen steht und somit entscheidend für den Unternehmenserfolg ist.”

Danach folgt aber die große Irritation: Denn scheinbar soll mir auf 100 Seiten eines durchgehend verdeutlicht werden: Mitarbeiter in “großen und mittelgroßen Unternehmen” kommunizieren vor allem in chicen, sehr sterilen Architekten-Ergüssen besonders effektiv? Räume in denen sie selber wie Fremdkörper wirken. Schon allein, weil sie gar nicht chic genug für ihre Design-Umgebung sind. Andererseits finde ich persönlich die dort in den Dokumentationen abgebildeten Menschen “ganz normal”! Womit sich mir die Frage stellt, ob diese ach so tollen Räume nicht eher die Fremdkörper im Arbeits- und Kommunikationsprozess sind. Machen wir uns doch einmal bewusst, was diese Angestellten ertragen müssen, wenn sie morgens ins Büro kommen: Sie befinden sich schlichtweg in einer Umgebung, die mit ihrer eigenen Kultur meist nichts zu tun haben dürfte. Es ist eine “fremde, kühle” Umgebung in der man sich auch “fremd und kühl” fühlt! Mit wem oder was soll ich mich da identifizieren (Stichwort CI)? Das ist doch eher ein Globaldesign, das auch noch visuell vorführt, wie austauschbar und ersetzbar man als Angestellter ist! Wo unterstützt das ein entspanntes, kreatives Arbeiten und Kommunizieren?

Im Übrigen überzeugt mich gerade in dem folgende abgebildeten Beispiel die Technik wenig. Da treffen “raumfressende Trümmer” von Bildschirmen auf verkabeltes Equipment … Und das ist alles andere als smart und zeitgemäß!

Fremdkörper Office

In unserer gemeinsamen Online-Betrachtung stellt Thomas Dawideit als Organisations- und Konfliktberater zudem kurz mal fest, dass er bezweifelt, ob Ad hoc Kommunikation gut ist, wenn sie ohne akustischen Schutz neben Kollegen stattfindet, die konzentriert am Bildschirm arbeiten sollen? Und dass alles in einem neu gebauten und eingerichteten Bürohaus!

Fazit: Wie wäre es, wenn auch in großen Unternehmen mehr auf ein Umfeld geachtet wird, das die Menschen darin nicht zu Fremdkörpern macht und dass allein die heute vorhandenen technischen Optionen inkl. Web 2.0 nutzt. Allein dass wäre in meinen Augen Zukunft genug für`s “große” Büro …

Link zur Mensch&Büro Website … zur Ausgabe 10.2006

Eine Orgatec zum Einschlafen …

rueckschauend.boettger

Die Orgatec ist gelaufen und heraus kam nichts Neues. Als Trend lokalisiert der Spiegel den “mobilen Arbeitsplatz” der mit ein paar Handgriffen ab- und aufgebaut werden kann. Himmel und Herrgott nochmal, das Thema beschäftigt die Branche seit mindestens 10 Jahren unter dem Begriff “New Work”, wo sind da die wirklichen Innovationen? Vermutlich war der Artikel auch deshalb so kurz?

Wirkliches New Work und Innovationen für`s Büro bietet das Web 2.0 oder Video- und Web-Kollaboration zu Hauf. Wenn ich suche, wohin sich das Thema “Mensch & Büro” laut Orgatec bewegt, schaue ich scheinbar stark in Richtung “Schlafraum“. Wohl wegen der ständigen Erleuchtungen, die man dort bekommen soll? Typisch auch, dass die Deutschen mit räumlichen Volumen bestens ausgestattet sind, in Sachen IuK-Technologie aber international das Schlusslicht sind.

Wofür brauche ich überhaupt noch ein Büro, wenn sich Arbeiten immer besser, leichter und effizienter im Web und Video und an jedem x-beliebeigen Ort abspielen kann? Ja, sogar nackt und frei am Bildschirm ,-)

Gefallen hat mir einzig und allein die Idee eines Versicherers, die für 1.000 Mitarbeiter 30 verschiedene kleine Themenrestaurants in seiner Zentrale integriert hat. Warum? Weil man dort wohl erkannt hat, dass es Kommunikation und Begegnung bedarf, um Kreativität und Teamwork im Office zu fördern. Dazu passen dann ja auch bspw. die Bilder von Heiner Böttger …

Was mir auch gefällt sind integrative und anspruchsvolle Lösungen, um Kommunikations-Tools in ein räumlich angenehmes Umfeld zu integrieren. Am besten so, dass diese kaum zu sehen sind.

HD Videokonferenz von Cisco

cisco.shot

Seit kurzem bietet Cisco eine “Videokonferenz-Lösung in HD Qualität an. Ann Earon berichtet darüber in ihrem Blogartikel “Video Hoopla“.

Ist schon eine interessante Botschaft, wenn ein Unternehmen in der Größenordnung von Cisco bereit ist, in einen neuen Markt einzusteigen. Das gibt dem Stellenwert von Online-Konferenzen gleich einen frischen Kick.

Neben einer schönen Zusammenfassung zu den vorhandenen Anbietern gibt Ann ein Statement dazu, was der Cisco-Lösung noch fehlt:

• Sie könnte ein wenig preiswerter sein (Cisco bewegt sich zwischen 80.000 $ und 300.000 $ … Je Station, wohlgemerkt ,-) …

• Es wäre schön, wenn Cisco zu vorhandenen Standards kompatibel wäre und abwärtskompatibel mit Systemen wie Polycom und Tandberg …

• Multipoint wäre auch nicht schlecht …

Ungeachtet dessen sieht sie bei Cisco TelePresence einen neuen Qualitäts-Level für die nächsten Jahre.

Meine Meinung:

Ist schon eine tolle Sache, aber doch eine sehr spezielle High-End-Lösung die seinen Wettbewerber in den Halo-Studios von HP hat. Vielfach praktikabler und wirtschaftlicher dürften die LifeSize-Lösungen sein. Insbesondere, da LifeSize in Kombination mit Codian multipointfähig ist.

Microsoft Roundtable

Ein runder Tisch, optimal für die Teamkommunikation, mehrere Personen sitzen am Tisch und halten eine Videokonferenz, jeder ist frontal im Bild. Runder Tisch? Videokonferenz? Jeder ist gut im Bild? Geht nicht.

Geht doch.

Videokonferenz ab 2007 Mainstream?

cisco telepresence

Unter GigaOmniMedia findet sich ein Artikel des Herausgeber Om Malok zum Thema Trends im Bereich Videokonferenzen. Generell wird betont, dass nach jahrelangem Hadern und Zaudern mit dieser Kommunikationstechnologie “jetzt” der Durchbruch für einen breiten Einsatz von Videotelefonie und -konferenzen bevorsteht. Und das zu Recht …

Zum einen liegt dies an neuen Qualiät-Standards wie HD-Videokonferenzen von bspw. LifeSize oder Cisco. Zum anderen, weil inzwischen breitbandige Netze, offene Standards und Protokolle etabliert sind. Diese ermöglichen es, Videokonferenzen in eine visuelle, wie auch Funktions- und Bedienungs-Qualität zu bringen, die bei Nutzern wirklich den “Appetit” weckt, dieses Medium für eine bessere Kommunikation und Organisation im Unternehmen zu nutzen.

So sehe ich das auch, worauf man darauf achten sollte, “Äpfel nicht mit Birnen” zu vergleichen.

Die Preise beginnen heute quasi bei 0 Euro und könne im Millionen Euro Bereich enden. Auch bei HD gibt es Unterschiede in der Qualität! Wichtig ist, vor Entscheidungen für irgendeine Lösung, anhand von Nutzungs-Szenarien zu schauen, welchen Zwecke und Ansprüche im Unternehmen verfolgt werden. Zugleich darf der Fokus keinesfalls (!) allein auf die Technik gerichtet sein. Disziplinen wie Raumplanung, Organisation und Kommunikation / Training sind zwingend mit in die Planungen und Entscheidungen zu integrieren.

Welchen Faktor bspw. die Raumplanung für die Akzeptanz sowie die Effizienz der Kommunikation im Rahmen von Konferenzen spielen kann machen zwei Werbevideos von Cisco sehr deutlich. Ein schöner Trick, die Flatscreens direkt an einen Konferenztisch zu stellen, um zu vermitteln, dass alle Teilnehmer in einem Raum und an einem Tisch sitzen. Wenn auch vermutlich nicht gerade billig. Auch Rosenthal bietet ein interessantes … Nein, nicht Porzellan, sondern Video-Konferenzmöbel

PS. Tipp zum Artikel von Matthias Rückel. Danke!

Reale Konferenzen (ver)brauchen mehr Zeit …

Diesmal nicht vom innovation.work Blog sondern direkt aus Spiegel Online. Der berichtet über eine Studie des Frauenhofer IAO zum Thema Informationstechnik im Alltag. Seine eigene Meinung kann man gleich im Rahmen eines Votings kundtuen.

Drei Dinge fallen auf:

• Video- und Web-Konferenzen (ver)brauchen weniger Zeit als reale Meetings, in denen oft Zeit verplappert wird.

• Für die Nutzung neuer Technologien müssen Mitarbeiter befähigt bzw. geschult werden.

• Leistung steigt, wenn die Informationstechnologie zunimmt.

Da ist noch Luft drin …

Der DAU

Da lese ich doch gerade im Buch von Holm Friebe und Sascha Lobo (Die digitale Bohème), Deutschland ist das Entwicklungsland der Welt, wenn es um Weblogs geht. Wieso, das zeigt sich im Vergleich:

Bei 80 Mio. Einwohner gibt es hierzulande aktuell ca. 400.000 Blogs. In Frankreich mit 60 Mio. Einwohner bloggen dagegen bereits 4.000.000 Menschen. Weltweit sollen es inzwischen 200 Mio. sein.

Einmal mehr zeigt sich, wo Deutschland hinterher hinkt! Nämlich beim Thema IuK-Technologien!

Natürlich sind IuK-Technologien nicht die Lösung für alle Herausforderungen und Weblogs erst recht nicht. Aber, ehrlich gesagt finde ich es zwiespältig, wenn Löhne und Honorare nach unten gedrückt werden, dass es für viele Menschen kaum noch lohnt zu Arbeiten. Andererseits aber die enormen Potentiale moderner Kommunikationsmittel hierzulande so schlecht genutzt werden, dass man sich gegenüber anderen Ländern fast schämen muss. Ich habe das selber erlebte Beispiel noch frisch vor Augen, wo die Entwicklungsabteilung eines großen deutschen Unternehmens eine Videokonferenz-Anlage von den französischen Kollegen geliehen (!) bekommen hat, es eine offizielle Softwarelizenz für das Gerät nicht gab und deshalb Mehrpunkt-Konferenzen nicht möglich waren. Aber egal, die teure Technik stand eh (fast) ungenutzt herum, weil sie niemand bedienen konnte. Kein Wunder, dass dort wichtige Produkte nicht rechtzeitig fertig gestellt werden …

Wie soll man erst mit solchen Unternehmen darüber sprechen, “Wikis” einzuführen, um in idealer Weise interne Handbücher aufzubauen und zu Pflegen, oder RSS-Feeds zu nutzen um interne Dienstanweisungen (was für ein Wort) effizient zu managen?

Holm und Friede haben all zu sehr recht, wenn sie sagen: “Da ist noch Luft drin …”

Der Kontakter

onlinestatus.org

Über onlinestatus.org ist es möglich einen kleinen Button auf seiner eigenen Website zu positionieren, der zeigt ob man erreichbar (online) ist und über den man dann vom Web-Browser den Kontakt initiieren kann. Das Interessante ist, dass man bei Bedarf auch ein eigenes Layout für die Button mit einbeziehen kann und das der Service für alle gängigen IM-Formate gilt (AOL IM, ICQ, Jabber, MSN Messenger, iChat, Skype und Yahoo).

Das Ganze wird über verschiedene kostenlosen Hosting-Services initiiert, welche jeweils unterschiedliche Standart-Button anbieten. Zudem muss man bereit sein, im Bereich der Einstellungen “Anrufe” von “Jedermann” zu erlauben …

Quelle: Dawideit Organisationsberatung

Sensorische Entzugskammern

Am Freitag hatte ich geschrieben, dass ich persönlich KULTUR in den Büros von heute vermisse und angestellte Mitarbeiter zur Eigeninitiative aufgerufen. Ich muss mich revidieren: So, wie man “nicht nicht kommunizieren” kann, ist auch KULTUR immer vorhanden. Nur,… eben oftmals eine schlechte.

Was ich also vermisse, ist ein bewusster Umgang mit Kultur im Raum.

Dilbert_Entzug

Die von “Anonymus” geforderte Trennung zwischen kleinen und virtuellen Firmen, deren SOHO, Third-Places und den eher statischen räumlichen Ansprüchen großer Unternehmen reicht keineswegs aus. Es gibt nicht die “Konzernlösung für die angestellten Mitarbeiter”, nicht einmal, wenn diese nach dem Charakter ihrer Tätigkeit unterschieden werden (Residenten, Teleworker, Road Warrior, Gypsy, etc.) und ihnen die entsprechend unterschiedlichen “Werkzeuge” bereit gestellt werden. Bürolösungen für die Zukunft, lassen sich jeweils nur finden, wenn man sich das Wesen des jeweiligen Unternehmens ansieht und in den Entwurf mit einfließen lässt. Oder noch besser: … es als Grundlage nimmt.

Der Link auf “The Chief Happiness Officer” macht die Bedeutung des Faktor KULTUR überaus deutlich. Hier wird sichtbar, wie die Gestaltung von positiven Arbeitsumfeldern von der individuellen Unternehmenskultur, wie auch der generellen Branchenkultur geprägt wird.

Am deutlichsten zeigt sich dies an den Bildbeispielen von PIXAR, den Schöpfern der Monster AG und anderen digitalen Blogbustern. Warum? PIXAR ist ein absolutes Hightech-Unternehmen, knallhart auf wirtschaftlichen Erfolg getrimmt und keineswegs mehr ein kleiner “Hot Shop”. Und dennoch solche Räume?

PIXAR_01 PIXAR_02 PIXAR_03

Trotz allem Hightech pur, welches hier zum Einsatz kommt, wird eine solche verspielte Arbeitsromantik, einem visuell kühlen und rationellen Businessdesign vorgezogen? Klar, oder sogar gerade deshalb! Die Spielerei ist knallhartes wirtschaftliches Kalkül: In diesem Unternehmen sollen Kreative Ideen für Millionen (Menschen und Dollars) entwickeln und dem muss Rechnung getragen werden.

PIXAR als Beispiel ist auch deshalb so interessant, weil es von Steve Jobs, dem Gründer von Apple aufgebaut wurde. Und Apple dominiert ja gerade unglaublich erfolgreich die Themen Technik, Design und Kult(ur). Vermutlich werden bei PIXAR auch fleißig Videokonferenzen in HD-Qualität genutzt, denn Apple ist erheblich an LifeSize beteiligt, dem erstem Hersteller von Geräten dieser überragenden Bildqualität.

An Pixar, Apple und LifeSize lässt sich eine weitere Maxime für die “Gestaltung von Büros und Kommunikation für die Zukunft” ablesen. Man erschafft sie nicht, wenn sie überall zu finden sind. Es gilt Wege zu gehen, die bisher noch nicht platt getreten sind, um wirklichen Erfolg zu ernten!

Büros sind Werkzeuge …

Konferenzkanu ...

Büros sind Werkzeuge sagt Alexander Greisle und meint das im positiven Sinn! Also ich hab ein Werkzeug mit einem Kanu als Konfernzraum, was im Winter und bei Regen nicht richtig gut ist, im Sommer trifft man allerdings wirklich schräge Leute (siehe Bild). Wo noch wirklich coole oder auch heiße (Kommunikations-)Büros zu finden sind, inkl. einem Konferenz-Fahrrad für 7 Teilnehmer hat mir “Anders.denken” verraten. Wer es sehen will klickt hier