Der „Flow“ als Kulturschock?

Im "Flow" - Edmund Kieselbach

Ungeachtet, dass der Großteil unserer Gesellschaft es immer noch denkt: Beim Internet geht´s heute längst nicht mehr um gute DSL-Zugänge, um fix zu googlen, oder um ein schickes iPhone, um das Internet von unterwegs zu nutzen. Die Entwicklung greift inzwischen viel weiter in unsere Lebens- und Alltags-Kultur ein, denn es geht um das Web als permanenter Lebens- und Kulturraum, bei dem Virtualität und Realität sich bereits jetzt und ständig überlappen. Dabei bewegen wir uns im permanenten „Betastadium“, nichts ist irgendwann mal fertig und nie schaffen wir es, etwas komplett zu erfassen. Ein „Flow“, der für viele Kulturschock und Überforderung darstellt und dem sich oftmals durch Verweigerung zu entziehen versucht wird. Wobei es bei diesen Verweigerern nebenbei bemerkt, nicht primär um ältere Menschen geht, sondern eher um unsere generelle „Prägung“. Peter Kruse hat das in einem Beitrag auf der re:publica ganz wunderbar dokumentiert.

Im September steht nun der 15. Trendtag in Hamburg an, welcher das Thema „Flow Controll“ hat. Im Blog zum Event finden sich zwei wirklich gute Videohäppchen von Nico Lumma. Er schildert, wohin wir uns gesellschaftlich und kulturell hinbewegen und welchen Einfluss dies auf unser Informations- und Kommunikations-Verhalten hat. Aus dem „New Work“ und „E/M-Business“ kommend beschäftigen mich die Veränderungen in Technologie, Organisation, Kommunikation und Umgangskultur seit langem und oft war ich über die deutsche Schlafmützigkeit frustriert. Inzwischen scheint es aber auch hierzulande (endlich!) eine nennenswert große Gruppe an Menschen zu geben, welche gelernt haben im „Flow“ zu leben und diesen für sich nutzen. In dem Kontext gefallen mir auch die beiden Bücher von Markus Albers sehr (Morgen komme ich später rein) (Meconomy).

Vieles, wenn nicht alles, was Lumma im Interview sagt, kann ich aus eigenen Erfahrung nur bestätigen. Das Internet Anfang 2000 war eine technisch getriebenes. Das Internet heute hat für mich zum ersten mal eine Bedeutung, wie es die kulturellen Ereignisse und Kommunen der 68ger hatten, was eine ganz andere Qualität und Kraft darstellt. Ich bin mehr als gespannt, welchen Einfluss das alles auf uns in den nächste zehn bis zwanzig Jahren hat.

jo)

PS. Für einen alten Werber, wie mich, waren auch die einleitenden Worte zu den Clips sehr interessant, in denen es um die Entwicklung von Kommunikations-Agenturen geschieht. Sollte sich jeder Werber gut vor Augen führen ,-)

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