Dreist oder dumm?

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Unter www.onlinemeeting.biz, wie auch unter www.effizientes-meeting.de findet sich eine Website, welche angeblich herstellerunabhängig Webkonferenz-Systeme vergleicht und neutrale Informationen gibt. Dahinter steht die Publicare Marketing Communications GmbH.

Im Grunde eine schöne Sache, wenn da nicht einiges sehr Irritierendes wäre.

Zunächst fragt man sich, wie sich so ein „neutraler Tester“ denn finanziert? Schließlich handelt es sich hier um eine sehr professionell gestaltete Website und offensichtliche Werbung findet sich auf den ersten Blick nicht. Aber Publicare hilft selber weiter, indem sie stolz darauf hinweisen, dass Citrix ihr Kunde ist. Citrix aber ist der Anbieter des Testsiegers!

Was danach weiter nicht mehr sonderlich verwundert ist, dass nicht in gleicher Weise auf alle getesteten Produkte verlinkt wird, sondern allein ausführlich auf den angeblich „neutral“ ermittelten Testsieger (GoToMeeting).

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Ist das jetzt dreist oder dumm? Dreist, weil es eine Verarschung von möglichen Kunden ist, wenn sich der angeblich neutral ermittelte Testsieger auf der Kundenliste der im Impressum genannten Direktmarketing-Agentur und zugleich Testers befindet? Dumm, weil so etwas aus meiner Sicht nach einer Abmahnung und Klage schreit …

Mal ganz abgesehen davon, das GoToMeeting schlechter ist, weil es als einzige der getesteten Angebote nicht plattformübergreifend funktioniert, was für mich generell ein Killer-Kriterium ist!

In jedem Fall wird auch deutlich, dass es in Sachen Video- und Web-Kollaboration ratsam ist sich um wirklich neutrale Beratung zu kümmern …

8 Gedanken zu „Dreist oder dumm?“

  1. Ok, Herr Harnischmacher. Nun ist Ihr zweiter Kommentar doch durchgerutscht und automatisch freigeschaltet worden. Sei`s drum, ich werde es nicht weiter „öffentlich“ kommentieren, denn er spricht ja für sich selbst. Meine Mail haben Sie erhalten …

    JN

  2. Ja, Herr Neysters,

    leider haben Sie wieder nicht richtig gelesen: Wir testen nicht den „ökonomischen Nutzen“, sondern, ob eine Website mit umfangreichem nutzerorientiertem Content auch ökonomisch sinnvoll ist. Als Mann des Wortes wird ihnen dieser kleine Unterschied doch nicht entgangen sein, oder?

    Funktioniert Affiliate-Marketing so gut, dass man davon auch aufwändigen Content refinanzieren kann? So ähnlich funktionieren Tageszeitungen, Herr Neysters.

    Zu ihrer Frage, ob es sein muss, dass wir das Produkt empfehlen, das wir gut finden: Ja, es muss sein. Was hat die Tatsache, dass wir es als Kunde nutzen – und es jederzeit wechseln werden, wenn wir etwas besseres finden – damit zu tun, dass wir es auf der Site besprechen?

    Wenn Blogger das „halt so“ machen, dass sie halt mal was schreiben, da können wir nichts dafür, das ist ihr Problem – wie wäre es mit einer kleinen Nachfrage bei uns gewesen? Statt dessen reimen sie ein bisschen was zusammen und setzen Gerüchte in die Welt. Das beste, was sie damit erreichen, ist, dass die abhängigen Marketingabteilungen von Anbietern aus Angst vor der unkontrollierbaren Publicity versuchen könnten, die Seite via Abmahnungen plattzumachen – obwohl nichts draufsteht, das gegen Wettbewerbsrecht verstößt. Und was hätten Sie dann erreicht? Dass User nicht die Features von vier Lösungen in einer Übersicht vergleichen können und im Fall von GoToMeeting ihre Kreditkarten-Daten hinterlegen müssen, wenn sie einen Testaccount möchten. Als Blog-Autor nehmen Sie für sich journalistische Kompetenz in Anspruch – verhalten Sie sich danach und recherchieren Sie. Die Schnelligkeit des Mediums ist auch eine Verantwortung, der Sie hier leider nicht gerecht geworden sind. Ihr Verhalten schadet letztendlich den Usern.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Robert Harnischmacher

  3. Lieber Herr Harnischmacher, sie haben sich viel Mühe gemacht zu antworten, wenn auch nicht gerade in einem emotionslosen Stil. Aber, dass ist ja gerade das schöne an Blogs, dass ein sehr authentischer und frischer Ton herüber kommt.

    Folgendes:

    • Ich bin nicht freiberuflicher Berater sondern Geschäftsführer der DNF GmbH, Hamburg. Und insofern ist es nicht mein Ziel, Skandale aufzudecken. Weder an der Elfenbeinküste noch im Web. Aber wenn mir ungereimte Dinge über den Weg laufen, dann schreibe ich halt in meinem Blog etwas dazu … Blogger machen das halt so ,-)

    • Ich glaube Ihnen gern, dass Sie ganz persönlich von GoToMeeting überzeugt sind, so wie ich es trotz Ihrer Argumente nicht bin (Stichwort Boot Camp). Es mag auch sein, dass Sie von Citrix keinen Auftrag für die angeprangerte Website erhalten haben und rein aus eigenem Interesse handeln. Das ändert aber nichts daran, dass Sie bzw. Ihre Agentur den ökonomischen Nutzen (!) von Affilaten im Rahmen eines Online-Marketing-Experiment testet. An sich nichts Böses, aber muss es mit einem Produkt sein,

    • dass Sie zum „linkfördenden“ Testsiger erklären,
    • dass sie bereits seit Jahren intern bevorzugen,
    • dessen aktueller Besitzer auch noch Ihr Kunde ist

    Wem wollen Sie da „Neutralität“ glaubhaft machen? Ihre Argumentationen, dass es bisher nicht gewinnbringend ist und das nur GoToMeeting ein Affilate-Programm anbietet, ist dabei doch irrelevant … Da ist „Google Adsense“ doch der sauberere Weg um Geld zu verdienen. Bravo, dass Sie diesen nun beschreiten!

    • Ich bin nicht der Einzige, der ob Ihrer Testseiten irritiert war/ist, wie sie wissen und das sollte ein wenig zu denken geben. Auf den aktuellen Nachtrag zu Thema im CIO-Weblog habe ich heute bereits hingewiesen und dabei möchte ich es dann auch meinerseits belassen.

    Mit bestem Gruß und gute Geschäfte

    JN

  4. (Um diesen Kommentar besser zu lesen, können Sie auch den folgenden Link nutzen:
    http://www.publicare.de/onlinemeeting.php)

    Sehr geehrter Herr Jochem Neysters,

    zunächst muss ich als Betreiber der Website http://www.onlinemeeting.biz Ihnen ein Kompliment machen: Mit viel journalistischem Spürsinn und großer Sorgfalt haben Sie einen himmelschreienden Skandal aufgedeckt, vergleichbar eigentlich nur mit dem Giftmüllskandal an der Elfenbeinküste. Herzlichen GlückwunscMenschen wie Sie sorgen dafür, dass es Hoffnung gibt in dieser verkommenen Welt. Hoffen wir hier wie an der Elfenbeinküste, dass der Müll dahin zurückgeht, wo er hergekommen ist.

    Apropos Müll: Sehen wir mal, was Sie auf der Pfanne haben. Sie haben auf unserer Testseite herausgefunden, dass die Lösung GoToMeeting, die wir zum Sieger gekürt haben, der Firma Citrix gehört. Und dass unsere Agentur unter anderem für Citrix arbeitet. Da haben Sie sich gedacht: Citrix – Citrix. Hoho! Das hängt doch sicher zusammen! Erwischt! Und Sie haben mal so richtig auf die Pauke gehauen. Wir verstehen das. Sie sind freiberuflicher Berater und müssen ab und zu mal etwas Spektakuläres von sich geben.

    Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass die Welt manchmal nicht so einfach ist, wie es scheint. Für Citrix arbeitet Publicare bereits seit 2002, im Bereich Access-Produkte. Auf GoToMeeting aufmerksam geworden sind wir aber über GoToMyPC, das wir ab Oktober 2003 genutzt haben – und das von dem Unternehmen Expertcity entwickelt und vertrieben wurde. Als Fachmann für Online-Kollaboration ist Ihnen das sicher noch ein Begriff, oder? Im Frühjahr 2004 kaufte Citrix Systems (Headquarter: Fort Lauderdale, Florida) das Unternehmen Expertcity mit seinen Produkten GoToMyPC und GoToAssist (GoToMeeting lag zu diesem Zeitpunkt wohl bereits fast fertig entwickelt in der Schublade). Nur hat dieser Kauf herzlich wenig mit uns zu tun. Publicare ist schon immer regulär zahlender Kunde von GoToMeeting bzw. GoToMyPC. Das können wir per Kontoauszug beweisen:
    http://www.publicare.de/GoToKontoauszug.pdf

    Die Wahrheit lautet: Unser Kunde Citrix hat den Anbieter der Webconferencing-Technologie gekauft, die wir seit langem favorisieren und nutzen. Das ist zum einen purer Zufall. Zum anderen ist es für uns eine Bestätigung: GoToMeeting ist eine attraktive Lösung.

    Sie haben unsere Herstellerunabhängigkeit bezweifelt. Ich stelle hier klar: Kein Anbieter einer der getesteten Lösungen hat uns beauftragt oder bezahlt uns dafür, diese Seite zu betreiben. Den Content bestimmen alleine wir. Fazit: Wir sind herstellerneutral. Wer ohne Beweise etwas anderes behauptet – der ist abmahnungswürdig: Herr Neyster.

    Bei diesem Punkt stimmt mich ein Umkehrschluss nachdenklich: Sie gingen implizit davon aus, dass man keine kritische Haltung gegenüber dem Produkt eines Kunden haben kann. Heißt das: Wenn Herr Jochem Neyster engagiert wird, bekommt der Kunde nichts Negatives mehr zu hören?

    Als nächstes haben Sie sich gefragt, wer die Seite wohl finanziert hat. Die Antwort wird sie enttäuschen. Es war weder Satan noch Bill Gates noch Citrix. Sondern ich, ich allein mit dem Geld meines Unternehmens. Die Seite ist mein Online-Marketing-Experiment zur Fragestellung: Kann eine Affiliate-Seite mit umfangreichem nutzerorientiertem Content auch ökonomisch sinnvoll sein?

    Statt einfach nackte Affiliate-Links im Web zu platzieren, bieten wir Interessierten die Möglichkeit, sich über mehrere Lösungen breit zu informieren, bevor sie einen Testaccount eröffnen. Für uns geht es als Betreiber von http://www.onlinemeeting.biz deshalb auch darum, herauszufinden, ob es Web-Besucher unter den ökonomischen Bedingungen von Affiliate Marketing honorieren, wenn man ihnen zunächst einen Markt transparent macht und sie damit in die Lage versetzt, im zweiten Schritt das für sie passende Produkt über Affiliate-Links zu testen bzw. zu erwerben. Finden Sie das nicht auch spannend?

    Als kleiner Beweis für die Userfreundlichkeit unserer Seite: Wir haben erreicht, dass User, die sich bei GoToMeeting für einen Testaccount registrieren wollen, ihre Kreditkarten-Daten nicht hinterlegen müssen. Das macht es für User noch einfacher und sicherer. Dafür nehmen wir in Kauf, dass wir pro Testaccount-Registrierung nur 3 Dollar statt 30 Dollar erhalten. Ist das auch verwerflich? Oder – ihre Worte – Verarschung?

    Übrigens ist unsere Bilanz bisher negativ. Denn die Website kostete mich inklusive einer Vorgängerversion, die wir Anfang 2006 live geschaltet hatten, bis heute bereits mehr als 14.000 EUR. Die eingesetzten internen Ressourcen nicht eingerechnet. Der Gesamtumsatz 2006 bis heute: 346 US-Dollar. Diese Bilanz wird sich sicher verbessern, nachdem Sie uns in Sachen Publicity so nett unter die Arme gegriffen haben. Und wir zur besseren Refinanzierung ab jetzt Google Adsense-Werbung auf der Seite einbinden. Fazit: Ihre Schlussfolgerung ist – auch hier – falsch.

    Als weiteres Indiz für Ihre Verschwörungstheorie nannten Sie die fehlenden Verlinkungen auf die anderen Anbieter. Auch hier setzen Sie auf Effekthascherei statt Genauigkeit. Wir verlinken nicht nur auf alle Anbieter, sondern direkt auf die spezifischen Produktseiten (für Microsoft ist das Gold wert), so dass der Interessent nur einen Klick vom Testaccount entfernt ist. Nur eben nicht direkt auf der Registrierungsseite. Diese Einschränkung machen wir, da sich unsere Seite über Affiliate-Partnerschaften finanzieren soll, und bis heute leider nur GoToMeeting ein Affiliate-Programm anbietet. Die anderen Anbieter konnten sich leider trotz aktiver Nachfrage noch nicht dazu durchringen. Fazit: Auch dieses „Indiz“ ist heiße Luft.

    Nachdem Sie die gesamte Website aufgrund falscher Schlüsse aus nicht recherchierten Indizien diffamiert haben, kommen Sie am Ende zum Schluss, dass – Zitat – GoToMeeting „schlechter“ ist. Bleibt die Frage, schlechter als was? Als Microsoft? Als Macromedia Breeze? Als das Wetter? Als Helmut Kohl? Und wieso? Nachdem Sie eine Seite mit detaillierten Vergleichen die Objektivität absprechen, fällen Sie ein Urteil in Form eines einsamen Komparativs (kommt von comparare, vergleichen) ohne zu sagen, mit was Sie vergleichen. Wenn man natürlich in ihren Expertisenhöhen schwebt, muss man sich sicher nicht mehr mit solchen Details abgeben. Hauptsache, es klingt irgendwie nach Enthüllung.

    Als einziges stichhaltiges Argument nennen Sie, GoToMeeting wäre nicht plattformübergreifend – das ist wirklich ein Punkt, der gegen GoToMeeting spricht, wenn man ausschließlich Macs benutzt – wie vielleicht sie. Was sagen dazu aber die über 90% PC-Nutzer? Wir haben abgewogen und für uns beschlossen, dass die enormen Vorteile der Lösung überwiegen. Obwohl auch wir als Agentur überwiegend Macs einsetzen. Zudem erlaubt die aktuelle Version von GoToMeeting immerhin, nativ unter MacOS X an Online-Meetings teilzunehmen. Ansonsten: Hat der Mann, der an sein Inter-Face natürlich nur eine Apple Insight-Kamera heranlässt (https://www.openbc.com/hp/Jochem_Neysters/), schon mal was von Parallels Desktop oder Boot Camp gehört?

    Zu guter Letzt muss ich Ihnen danken. Wir haben die Informationen auf unserer Website präzisiert, um weitere Missverständnisse auszuschließen. Natürlich hätten wir gewünscht, dass ein so gewiefter Insider wie Sie ein paar Zeilen E-Mail tippt oder mal zum Hörer greift, um uns mal zu fragen. Gemäß Ihrem eigenen Motto: Rufen Sie einfach wie gewohnt an oder schreiben Sie …

    Bleibt die Frage, wie wohl ihr Kommentar ausgefallen wäre, hätten sie in Betracht gezogen, dass ihr vermeintlicher Gegner kein furchterregender Riesenkonzern ist – sondern eine kleine private Online-Marketing-Initiative? Hätte es sich da überhaupt gelohnt, robinhoodgleich aus dem digitalen Dickicht zu springen und – hoho! dem staunenden Volk einen Sechzehnender zu präsentieren? Dumm nur, dass Sie einfach einen Bock geschossen haben. Oder doch nur dreist? Wohl beides.

    Mit besten Empfehlungen,

    Robert Harnischmacher

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