5 Thesen zum „Büro-Raum“

Mensch / Raum / Technik
5 Thesen zum „Büro-Raum“ in Zeiten der Netzwerk-Ökonomie

Neue Formen der wirtschaftlichen Ökonomie, brauchen neue Formen von Arbeitsraum. Globale, dynamische und komplexe Umfelder, steigende Mobilität, immer schneller wechselnde Technik, und, und, und … Wir alle spüren wie Megatrends unser Leben und unseren Alltag verändern. Veränderungen die uns viele Sicherheiten und Erfahrungswerte nehmen, ständig gilt es neue Wege und Notwendigkeiten zu erkunden, um erneut zu gewohnter Wirtschaftlichkeit zu gelangen.

In kürzester Zeit sind bspw. Vernetzung, Kreativität, Individualität zu einem kaum verzichtbaren Arbeits- und Lebensprofil geworden. Auch Kommunikation, Interaktion, Innovation und digitale Kompetenz gewinnen immer mehr an Bedeutung. Technik und autonome Maschinen ersetzen unsere Arbeitsplätze in einem nie da gewesenen Umfang. Selbst anspruchsvolle Standardaufgaben, wie bspw. die von Juristen, Journalisten oder Versicherungsexperten werden zunehmend durch „Big Data“ und „Künstlicher Intelligenz“ erledigt.

Bene - Idea Wall

So wie im 20. Jahrhundert die industrielle Revolution und Arbeit die landwirtschaftliche und handwerkliche Arbeitsweise verdrängt hat, verdrängt heute die Wissensarbeit die industriellen Arbeitsweisen. Hintergrund ist eine neue Ökonomie, basierend auf Digitalisierung und Vernetzung. Was passiert aber, wenn es für immer mehr Arbeiten Maschinen und Software gibt? Einfache Antwort: Der Mensch fokussiert sich auf Fähigkeiten, die Maschinen eben nicht besitzen. Genau an diesem Punkt befinden wir uns. Das „Wissen“ stellt dabei einen neuen „Rohstoff“ dar, den es mit menschlicher Intuition und Kreativität in etwas „Neues“, für uns „Brauchbares“ umzusetzen gilt. Um so schneller, um so besser …

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Der Wissensarbeiter ist alles andere, als mit dem Büroarbeiter des Industriezeitalters vergleichbar. Er verbringt seine Zeit nicht mehr permanent an (s)einem Schreibtisch, sondern bewegt sich oft in wechselnden Teams, an unterschiedlichsten Standorten, in unterschiedlichen virtuellen und realen Arbeitsräumen. Zeitlich hochflexibel, eigenverantwortlich und geprägt von immer neuen und andersartigen, oft komplexen Aufgabenstellungen.

wissensarbeit (pixabay)

NEW WORK ORDER
Für die Wissensarbeiter in einer Netzwerk-Ökonomie bekommt „Büro-Raum“ ganz neue Funktionen und Bedeutungen. Überraschend dabei: Trotz immer mehr Digitalisierung und Virtualisierung wird der „Büro-Raum“ wichtiger denn je …!

Was sind denn überhaupt „Räume der Arbeit“ in einer Epoche der Netzwerk-Ökonomie und Wissensarbeit?

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Im vorigen Jahrhundert waren es Kontor und Werkhalle, in denen der Mensch seiner Arbeit nach ging. Davor tat er es oft auf dem Feld oder in (s)einer Werkstatt. Die Werkhallen des 20. Jahrhunderts sind inzwischen gläsern und fast menschenleer, oder … der dort auch „werkelnde“ Roboter ist zu einem fast gleichberechtigten Kollegen geworden, mit dem „Hand in Hand“ gearbeitet wird. Statt jeden Tag ins Büro, gehen wir inzwischen ständig „ins Netz“, ins Hotel, ins Auto, ins Home-Office, oder auch an den Strand, um zu arbeiten … Immer weniger aber in ein „klassisches Büro“. Der Ort „Büro“ wird in unserer neuen virtuellen und mobilen Arbeitswelt zu einer neuen, temporären Heimat und oft zu einem Anker unserer Identität.

Fassen wir zusammen: Neue „Räume der Arbeit“ entstehen, wenn Megatrends unsere Tätigkeiten und Arbeitsweisen verändern. Technologie, Mobilität, demographischer Wandel, Gesundheit, Globalisierung oder Glokalisierung, usw. … Allein aus den Megatrends lassen sich die Inspiration und Eckwerte zur Gestaltung von neuem „Büro-Raum“ herauslesen, um (Wissens)-arbeit und -arbeiter optimal zu unterstützen und im Ergebnis messbare Performance zu erzeugen.

Grafik Wissensarbeit

5 Thesen zum „Büro-Raum“ … ohne den Anspruch auf Vollständigkeit.

1. Wissensarbeiter machen das Büro zur Wissens-Manufaktur
Aus Büros werden Manufakturen der Innovation. Wissen-Arbeit wird anteilig inzwischen von über 80% aller „Werktätigen“ geleistet. Mal mehr, mal weniger … Tendenz steigend. Wir wechseln vom Abwickeln zum Entwickeln. Das Büro wird zu einem Ort des kreativen Entstehens, mit vielen Settings für unterschiedlichste Aufgabenstellungen unterschiedlichster Wissensarbeiter.

2. „Räume der Arbeit“ ersetzen den „Arbeitsplatz“
Es findet eine Neucodierung statt, das Büro wird zum Campus und zum Labor: Vom Schreibtisch und Computer hin zu Räumen, Kommunikation und Kollaboration. Der persönliche Arbeitsplatz ist somit keine Fläche mehr auf der man schreibt, sondern primär die gesamte Infrastruktur, die man im „Büro-Raum“ vorfindet, inkl. dazu gehörender vernetzter externer Orte und Strukturen. Durch seinen permanenten Einfluss auf die Wissensarbeiter wird der Raum, neben Mensch und Technik, zu einem zentralen, weiteren Erfolgs- und Performancefaktor im Arbeitsprozess.

3. Büro-Raum = Freihandelszone für Crowdsourcing & Performance
Digitalisierung, Netzwerke, Projektarbeit, das oftmals spezielle Know-how von Wissensarbeitern, sowie deren persönliche Lebenssituationen und -ansprüche, führen zu individuellen Arbeitsorten, Dezentralisierung, Selbstständigkeit. Dem stehen ständig neue, komplexe Aufgabenstellungen und das „soziale Wesen“ des Menschen gegenüber. Die Widersprüchlichkeit dieser Situation, lässt sich durch neue, offene Formen von „Büro-Raum“ auflösen. „Räume der Begegnung“ vernetzen als externer, wie interner CoWorkSpace individuelles Wissen und Kompetenz zu neuen, temporären und projektfokussierten Einheiten. Die so durch Ort und Raum neu und temporär geschaffenen Gemeinschaften, bieten in ihrem Wissen, Können, Charakter und Möglichkeiten ein überlegenes und kreatives Leistungspotential. Sie stellen einen Mehr-Wert mit sehr hoher Performance dar.

4. Räume der Arbeit, sind Kult(ur) und Abbild unserer Identität
Wir fragen heute nicht mehr „wie geht es Dir?“, sondern „Wo bist Du?“. Virtualität und Mobilität prägen uns immer stärker. Die Architektin Anna Klingmann sagt: „Gebäude haben heute einen Wert, weil wir uns dort präsentieren, um etwas zu sein, nicht weil wir dort leben oder arbeiten.“ Büroraum wird daher anziehend, markenbildend, aussagestark und einzigartig. Räume und Orte werden zu einem Anker unserer Seele, Identität und Identifizierung. Sie bringen durch ihre sinnliche und kulturelle Ausprägung den Charakter eines Unternehmens zum Ausdruck. Büro-Raum und -Objekt, werden Teil einer „Real Estate Brand“ mit der sich junge, nach Sinn suchenden Professionals der Generation Y identifizieren können und diesen als ein Ausdruck der eigenen Persönlichkeit und Werte sehen. So schafft „Büro-Raum“ in Zeiten eines „War of Talents“ auch den Mehr-Wert der Verbundenheit und Treue.

5. Das Internet verschwindet
Eric Schmidt von Google, antwortete auf die Frage, was in Zukunft aus dem Internet wird, das es verschwinden würde. Gemeint ist, dass das Internet mit der realen Welt zu einer nicht mehr trennbaren Einheit verschmilzt. Auch der „Büro-Raum“ wird ein Spiegel dieser allgegenwärtigen Technologie sein. Alles wird smarter, alles wird kleiner, alles wird noch vernetzter, alles wird „auf ein Maximum reduziert“. Handys und Tablets ersetzen Desktop und Notebook. E-Paper, smarte White-Boards, etc. ersetzen Papier und Metaplan und sorgen für einen bruchfreien Workflow. Video-Kollaboration auf Basis von 3D und VR sorgt für Nähe, Zeitfenster und Entscheidungsqualität. Die für die Wissensarbeit so wichtige Kommunikation und Präsentation wird technisch gestärkt. Vor allem aber zieht „Künstliche Intelligenz“ in die Objekte ein, die Auskunft über Anwesenheit, Raumklima und Luftqualität geben oder das Lichtklima entsprechend der Tätigkeiten oder des Stresspegels verändern. KI wird auch der Weg sein, bspw. über natürliche Sprache die Steuerung dieser Technik humaner zu gestalten und so für eine bessere Nutzung und Akzeptanz zu sorgen.

on on one

Fazit: Neue Räume für neue Arbeit zu entwickeln, ist nicht nur sinnvoll, weil es die „Performance im Office durch Office“ steigert. Es ist und bleibt auch eine Abenteuer für Könner, denn es gibt keine Norm für den optimalen Büro-Raum. Immer richtet sich die Lösung nach dem Wesen und Möglichkeiten des Auftraggebers und seiner Berater.

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